„Entzauberte Gesichte“ Lyrik, 1976

Während der Herausgabe der Literaturzeitschrift „Projekt.IL“  in den 70er Jahren, lernte ich auch einige Innsbrucker Studenten kennen. Sie waren von Martin Heideggers Schreiben begeistert und luden mich ein zu einer Antrittsvorlesung eines neuen Germanistikprofessors nach Innsbruck zu kommen, von dem sie sich Interessantes zu ihrem Autor erwarteten. Abends gingen wir zu einer Lesung, und da sie wussten, dass ich auch Gedichte schreibe, und mein „Schreibheft“ immer dabei hatte, zwangen sie mich auf die Bühne, wo ich wahrscheinlich ziemlich zittrig Gedichte vorlas. Im Anschluss kam Herrmann Kuprian auf mich zu und fragte, ob ich noch mehr Gedichte hätte, was ich bejahte. Sofort erbot er sich, ein Buch mit diesen Gedichten machen zu wollen, was mich sehr erstaunte. Dennoch schickte ich  ihm ein Konvolut und ein junger Bibliothekar suchte nach seinem Ermessen einige aus. Auf die Reihenfolge oder Zusammenhänge hatte ich keinen Einfluss. Da reihten sich Gedichte, die ich mit 13 geschrieben hatte nahtlos an neuere. Der Titel „Entzauberte Gesichte“ aber war von mir. „Gesichte“ bedeutet „Hellsichtigkeit“, was aber kein Rezensent verstand, und sehr oft wurde daher der Band als „Entzauberte Gedichte“ bezeichnet.


Salzburger Lyrikpreis 2005 

 

„Entzauberte Gesichte“ Lyrik, 1976

Entzauberte Gesichte